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Heimspiel
Ninco-Worldcup Stuttgart'07
Italien erneut Weltmeister

 

 
Zu einer festen Größe im internationalen Rennkalender entwickelt sich der zum dritten Male ausgetragene Ninco-WorldCup. Nach Barcelona (ESP) und Verona (ITA) war es nun an der schwäbischen Metropole Stuttgart, das Finale der weltbesten Ninco-Fahrer auszurichten. In den funkelnagelneuen Messehallen am Flughafen fanden sich hierfür ideale Bedingungen, die im Rahmen der Modellbaumesse bestens besuchten Rennen durchzuführen. In Kooperation mit dem neuen Deutschland-Importeur, der im niedersächsischen Zeven ansässigen Firma Cars&Co, veranstaltete die mit einem weltweit guten Namen behaftete Firma Ninco ein bestens organisiertes Großereignis im Slotcarsport. Und das dieses den Namen "WorldCup" auch wirklich verdient, dafür sorgten neben den europäischen Teilnehmern Teams aus den USA, Mexico und Argentinien. Unsereins ist leicht überrascht, wo nicht alles auf extrem hohem Niveau unserem Hobby gefrönt wird. Neben den Fahrern aus Amerika waren Italien, Spanien, Portugal, Andorra, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweden und England gemeldet, teilweise mit 2 Teams. Dazu sollten sich ursprünglich noch 2 Mannschaften aus Deutschland gesellen, dazu aber später mehr. Jede dieser ausländischen Equipen hatte sich bei nationalen Rennen für den WorldCup qualifiziert, die besten der Besten kamen also nach Stuttgart. In Deutschland fanden bundesweit 10 Vorqualifikationen statt, die Rennen auf der zweispurigen Heimbahn bis hin zur großen Wettbewerbsholzbahn umfassten. Und jene 10 Teams mußten sich dann bei einem separaten Rennen am Samstag für zwei zur Verfügung stehenden WorldCup-Startplätze qualifizieren.

Während in Deutschland noch aus einem sieben Typen umfassenden Fuhrpark gewählt werden durfte -von Vorteil waren hier Toyota Supra, Honda NSX und der Ascari-, so war in Stuttgart der erst kürzlich erschienen Porsche 911 GT3RS das vorgeschriebene Einsatzfahrzeug. Eine nette Hommage an die unweit der Messe beheimatete legendäre Zuffenhauser Sportwagenmarke. 
Ein äußerst strenges Reglement erlaubte nur geringe Modfikationen an den Boliden. So durften lediglich die Antriebskomponenten gegen Tuningteile aus dem Programm der Iberer getauscht werden. Keinerlei erleichtern oder trimmen war gestattet, selbst das Schleifen der Reifen war nur an der Vorderachse erlaubt. Unter den deutschen Teilnehmern gab es leichte Zweifel, ob das alles so funktionieren würde. Und da muß man letzten Endes sich selbst eingestehen, das ab und an hierzulande viel zu kompliziert gedacht wird. Ein großes Kompliment an jenen, der sich die Regeln ausdachte. Abschließend betrachtet kann man sagen, das abgehen von der VA so ein Wettbewerbswagen in ca. 10min konkurrenzfähig aufgebaut ist. Von eigenen Designkreationen natürlich mal abgesehen. Lediglich die Übersetzung der technischen Vorschriften ins deutsche wäre ein wünschenswerter Punkt. Aber wie gesagt, die typisch deutsche Denkweise sorgte da wohl für eher für Probleme... es ist hier eben wirklich "alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist"!

Die für den WorldCup aufgebaute Rennstrecke bildeten zwei spiegelverkehrte Achtspurpisten von ca. 40m Länge, ohne Spurausgleich. Die Fahrer stehen erhöht auf einem Podium, man hatte eine ausgezeichnetete Übersicht. Neben den sehr langen Geraden, die nebeneinander gelegt ein imposantes Bild abgaben, waren viele anspruchsvolle Kurvenpassagen zu meistern. Noch dazu war ein gutes Auge von Vorteil, um den Bremspunkt der im Anschluß an die Geraden folgende Haarnadel zu treffen. Wer an die Holz- oder Carreraschiene gewöhnt ist, hat eine Weile mit der Umstellung auf die doch so ganz anders zu fahrende Weichplastikbahn zu kämpfen. Man hat sicher keine Nachteile, wenn man permanent auf diesem Material unterwegs ist. Aber schlußendlich bringt das Fahren darauf eine Menge Fahrspaß mit sich. Man ist sich bewußt, das es eine anspruchsvolle Aufgabe ist, die es hier zu meistern gilt.

Kommen wir zur Veranstaltung: Am Samstag fand die interne Vorqualifikation der u.a. aus Ratzeburg, München, Kamen, Remshalden und Frankfurt angereisten deutschen Teilnehmer. Aus ursprünglich 10 Teams wurden absagebedingt deren Acht, eine Mannschaft wurde erst vor Ort gebildet. Ein kurzes Hallo unter jenen, die sich bereits kannten oder jetzt kennenlernten und schon versank man in der professionelle Vorbereitungsathmosphäre, die ein solch bedeutendes Rennen mit sich bringt.
Nach einem halbstündigenen freien Training und der abschließenden Fahrzeugabnahme mit Motoren- und Reifenausgabe gingen die acht Startfahrer auf die 8x9min lange Reise. Schon recht bald zeigte sich das Team vom Raceway Frankfurt als deutlich überlegen und sicherte sich mit einem Start-Ziel-Sieg die Fahrkarte für den WorldCup. Während zu Beginn die Jungs vom PowerPoint noch gut mithielten, kamen allmählich aber die Mannschaften aus Remshalden und Kamen auf die Plätze 2 und 3. Und als kurz vor Schluß bekannt wurde, das die Equipe aus England bedauerlicherweise nicht starten würde und sich damit auch der drittplazierte für den WorldCup qualifiziert, ging verständlicherweise ein kollektives Grinsen durch die Gesichter der Kamener Jungs. Welche übrigens vom ehemaligen deutschen Scalextric-NASCAR-Champion Stefan Waschow verstärkt wurden.
Parallel zum Rennen trainierten unsere ausländischen Freunde auf der anderen Bahn... und bei den dort gefahrenen Zeiten wurde im Feld der deutschen erstmal heftig geschluckt. Die können das besser...

Nach der Siegerehrung wurde die Veranstaltung mit einem letzten freien Training fortgesetzt. Abschließend wieder eine hochprofessionelle Wagenabnahme mit erneuter Motoren- und Reifenausgabe. Beides mußte im Beisein der techn. Kommisare montiert werden, welche aber immer wieder mit guten Tips bei manch ratlos dreinblickendem Kollegen aushalfen. Abschließend wurde die SuperPole ausgefahren. Jedes Team stellte einen Fahrer, der innerhalb einer Minute eine gute Runde rausfahren sollte. Und mit der einzig unter der 10sek-Marke gebliebenen Zeit von 9,99sek holte sich in souveräner Manier Tommaso Melioli (ITA 1) die Bestzeit.
Absteigend von Platz 1 durften sich die Teams jetzt ihre Startspur wählen, was unterschiedlichste Philosophien erkennen lies. 

Der Samstag klang mit einer einer fröhlichen Party im vom Veranstalter reservierten Hotel aus. Bei hervorragender spanischer Küche kam man auch international ins Gespräch, so manche wilde Anekdote aus dem heimischen Renngeschehen wurde erzählt. Besonders die 2 Jungs aus Mexico fielen aus dem Rahmen, die auf gut Glück ohne jede Hotelreservierung mal eben in die alte Welt reisten. 

Der Sonntag wurde mit einem WarmUp gestartet, in welchem jedes Team auf der ausgewählten Startspur nochmals 5min Zeit zum Überprüfen des Fahrzeugs hatte. Danach folgte die namentliche Vorstellung der einzelnen Teams, bei einer mittlerweile beeindruckenden Zuschauerkulisse ein besonderes Erlebnis. Und pünklich um 11.00Uhr erfolgte der Start zum den WorldCup entscheidenden 6h-Rennen... mit einem Paukenschlag, den nicht wenige wohl leicht übermotivierte Fahrer sorgten für einen Massenunfall in der ersten Kurve. Nach diesem nervösen Beginn fand das Rennen aber zur Ruhe, geprägt von vielen spannenden Zweikämpfen, die bis zum Zieleinlauf anhalten sollten.
Das erste Drittel bestimmte die Mannschaft aus Belgien für sich, während die Teams Spanien und Italien 1 bedingt durch die langsameren Spuren sich im Vorderfeld aufhielten. Nach 5 Turns setzte sich Mario Arturi (ITA1) an die Spitze, was die Equipe aus Spanien zu Höchstleistungen antrieb. Zur Mitte des Rennens übernahm man die Führung, die man bis zum 13. Durchgang innehalten sollte. In diese Phase fiel auch die schnellste Rennrunde durch Raul Sanchez (ESP), welche mit einem eigens dafür gestifteten Pokal belohnt wurde. Im letzten Drittel kam ITA1 wieder sehr stark auf, Tommaso Melioli zog unwiderstehlich seine Kreise und sicherte sich und Mario Arturi nach 1787 Runden mit 5 Runden Vorsprung den hochverdienten Sieg. Platz 2 ging an Spanien, als dritter folgte der anfangs führende belgische Porsche. 
Und die deutschen 3 Teams? Zahlten ordentlich Lehrgeld mit den Rängen 12 (GER3), 13 (GER1) und 15 (GER2). Wobei GER 1 durch den einzigen im Rennen aufgetretenen Defekt um eine bessere Plazierung gebracht wurde. Aber wie heißt es so schön? Vor dem Rennen ist nach dem Rennen... 

Nach einer herzlichen Siegerehrung und amüsanten Nachbetrachtungen unter den Fahrern hieß es bereits wieder Abschied voneinander nehmen. So manch neuer Freund wurde gewonnen und allerseits war die Hoffnung auf ein Wiedersehen zu spüren. Wer weiß, die Gerüchteküche läßt vermuten, das im kommenden Jahr der 15. Geburtstag der Firma Ninco als Anlaß genommen wird, das Rennen erneut in Barcelona auszutragen...

Noch kurz eine technische Nachbetrachtung: Es ist schon beeindruckend, das lediglich ein Defekt (Gebrochene Hinterradaufhängung) auftrat. Das spricht sehr für die Robustheit und Renntauglichkeit der spanischen Fahrzeuge. Lediglich die Räder mußten gewechselt werden, sonst waren keinerlei Servicearbeiten nötig. Und selbst 6h waren noch mit einem Radsatz zu bewerkstelligen, aber das war dann schon allerletzte Rille...

Fazit: Eine großartige Veranstaltung, von Ninco und Cars&Co bestens organisiert! Und auf dieser Basis sollte es möglich sein, eine weitere Verbreitung der Marke Ninco in Deutschland zu fördern. Wer weiß, vielleicht kommt eines Tages das Weltmeisterteam aus hiesigen Gefilden...