Golden Historic Martinsthal'12

Es waren einmal die 50er und 60er Jahre, die gute alte Zeit des Formelsports... sie im Modell auch im Rhein-Main-Gebiet wieder aufleben zu lassen, war der Anlaß für ein Event der besonderen Art. Am 18.11.2012 lud Wilfried Wiebe alle Interessierten zum Racen mit den klassischen Zigarren an die Martinsthaler Holzbahn. Die Hockenheim-Historic hatten im April gezeigt, das doch schon so manch Schätzchen im Slotkoffer schlummerte, zudem gab es als besonderes Schmankerl die Verlosung zweier topaktueller WWS-Formelchassis, gestiftet von Mister WWS in Person.

Letztlich fanden sich mit Winni himself, Alexx Hubert, Thorsten Pammel, Michael Kurtz, Harald Wiederer und Frank Schüler immerhin sechs Enthusiasten im beschaulichen Rheingau ein. Nachdem so manch neues Schnauferl ausgiebig bestaunt wurde, ging es erstmal zum Essenfassen... Winni's bessere Hälfte kredenzte mit Unterstützung der Jens-Family lecker Nudeln mit Geschnetzeltem.

 Als dann alle gestärkt waren, wurde der Rennmodus erläutert. Gefahren wurden in zwei Klassen nach FNS-Klasse1/Classis-Reglement: Zum einen die Modelle bis Jahrgang 1959, welche dann ausschließlich klassischen Frontmotorwagen am Start sah. Zum anderen die Kategorie bis 1969. Hier konnte man über diverse Indy-Lotus, dem Porsche 804 aus der F1 und zwei Formel II-BMW ein breiteres Spektrum erleben.

Interessant war der eigentliche Rennablauf. Dank der Leihgabe des Computerprogramms vom Renncenter Hockenheim konnten die beiden Klassen als Gleichmäßigkeitsprüfung absolviert werden. Vorgabe war, nicht die meisten Runden in den 5x6min zu fahren, sondern die konstantesten Rundenzeiten vorzulegen. Jener Block aus fünf aufeinanderfolgenden Runden, welche die geringste Streuung aufwies, wurde unter Abzug eines Streichers gewertet. Aus jedem Block wurde die Durchschnittszeit ermittelt und je Tausendstelsekunde Abweichung gab es einen Strafpunkt. Der Fahrer mit der geringsten Anzahl an Strafpunkten war dann folglich der Rennsieger. Klingt kompliziert... war es aber nicht. Wer nun die Idee hatte, einfach mit Halbgas seine Runden zu drehen, würde mit weit größere Schwankungen "belohnt" werden. Am sichersten war es, einfach mit 99,9 % um den Kurs zu heizen. Und siehe da, zumeist waren in den gewerteten Blöcken dann auch die schnellsten Zeiten der jeweiligen Fahrer zu finden. 

Bei 6 Startern konnte man somit auch problemlos ohne Einsetzer fahren. Der jeweils pausierende übernahm die Rennleitung, bei den seltenen Abflügen wurde kurz und schmerzlos Chaos geschalten. Und weiter gings...

Da Harald, Michael und Frank noch keinen eigenen Klassiker aufgebaut hatten, wurden sie von den anderen Dreien ausgiebig mit Leihwagen ausgestattet. Speziell Thorsten war die letzten Monate fleißig, sein Fuhrpark hätte beinahe für beide Klassen und alle Fahrer gereicht. :-)

Begonnen wurde mit den 50ern. Die Pole sicherte sich Frank mit dem von Winni gestellten Mercedes W196. Und dann ging es an den Start... und ohne Frühstart in die erste Kurve. Das keineswegs rumgetrödelt wurde, machte das Duell zwischen Winni und Frank deutlich. Letzterer hatte es wohl noch nicht so recht im Blut, das Speed nicht alles ist. :-) Bei Alexx schönem gelben Ecurie Belge-Talbot schlug die Defekthexe zu: Getriebeschaden. Das er dadurch schlußendlich ein Punktekonto hatte, mit welchem er die nächsten 15 Jahre F1-Weltmeister würde, war dann logischerweise klar. :-) Nicht ganz beim Tempo vorn dabei, aber mit einem sensationellen vierten Turn: Michael. Nur 4 (!) Strafpunkte, das waren 5 Runden am Stück die innerhalb von drei Tausendsteln lagen... Respekt. Thorsten mit dem grünsten Auto im Feld solide unterwegs auf Platz 4, bei Harald fehlte es in dieser Kategorie noch ein wenig an Fahrpraxis. Was sich aber ändern sollte...

Ergebnis Kat. 1:

  1.  Wilfried Wiebe, Talbot Lago T26C, 121 Punkte (42/11/25/23/20) 
  2. Michael Kurtz, Alfa 159, 153 Punkte (38/37/22/4/52)
  3. Frank Schüler, Mercedes W196, 164 Punkte (40/46/27/20/31)
  4. Thorsten Pammel, BRM Mk II, 281 Punkte (49/36/37/88/71)
  5. Harald Wiederer, Maserati 250F, 371 Punkte (71/39/65/133/63)
  6. Alexx Hubert, Talbot Lago T26C, 4633 Punkte (2000/34/2500/36/63)  

Weiter ging es dann mit den Heckmotorboliden aus den 60ern. Normal wird mit diesen Fahrzeugen wieder im gewohnten Zeitmodus gerannt... aber da es vorher so viel Spaß machte und zudem keine weiteren Einsetzer auftauchten, wurde auch hier wieder Gleichmäßigkeit belohnt. Winni, souverän mit dem F1-Lotus auf Pole, sollte wie schon in der ersten Kategorie sich auch diesmal auf der Strecke ein Duell liefern. Diesmal war es Alexx, der mit dem Indy-Lotus-Ford voll bei der Musik war. Er sollte letztlich sogar im Rundenmodus vorne liegen. Aber darauf kam es eben nicht an... :-) Der "alte" Haudegen Winni sollte erneut die Bestmarke setzen... gefolgt vom Überraschungsmann Harald. Mit dem pammelschen Leih-BMW war er schnell und rund unterwegs. Mit dem Bestwert von nur 14 Strafpunkten wies er hier den gleichmäßigsten Turn auf. Dahinter rangierte dann Alexx, gefolgt von Michael, welcher die Turbine aus Indy'68 um den Kurs scheuchte. Frank hatte wohl die abgefahrenste Pirelli-Mischung drauf, dafür aber einen Heidenspaß am Driften mit dem zweiten BMW-FII. Und Thorsten's F1-Porsche wies wohl Zündaussetzer auf... ein wenig abgeschlagen landete er schlußendlich auf Platz 6.

Ergebnis Kat. 2:

  1. Wilfried Wiebe, Lotus 25, 169 Punkte (25/23/58/35/28)
  2. Harald Wiederer, Lola-BMW T102, 227 Punkte (87/33/52/14/41)
  3. Alexx Hubert, Lotus 29, 281 Punkte (20/25/68/68/100)
  4. Michael Kurtz, Lotus 56, 330 Punkte (44/86/26/70/104)
  5. Frank Schüler, Lola-BMW T102, 350 Punkte (103/89/41/51/66)
  6. Thorsten Pammel, Porsche 804, 548 Punkte (82/87/182/69/128)    

So endeten dann die zwei Rennen des Tages. Einer launigen Siegerehrung folgte noch die Tombola, welche jedem Teilnehmer etwas bescherte.

Angedacht ist, dem Einzelevent eine Serie folgen zu lassen. Ob diese im bereits proppevollen Rennkalender angenommen wird, muß sich noch zeigen. Verdient hätten es die Klasse allemal... 

Frank

Starterfeld Kat. 1

 Talbot Lago T26C (Wilfried Wiebe)

 Alfa 159 (Michael Kurtz)

 Mercedes W196 (Frank Schüler)

BRM Mk II (Thorsten Pammel)

Maserati 250F (Harald Wiederer)

Talbot Lago T26C (Alexx Hubert)

Starterfeld Kat. 2

Lotus 25 (Wilfried Wiebe)

Lola-BMW T102 (Harald Wiederer)

Lotus 29 (Alexx Hubert)

Lotus 56 (Michael Kurtz)

Lola-BMW T102 (Frank Schüler)

Porsche 804 (Thorsten Pammel)

WWS-C1 (links) und WWS-C2